Heu, Heu, Heu!!
- quiecklebendig

- 17. Juli 2020
- 3 Min. Lesezeit
Das wohl wichtigste Bestandteil einer artgerechten Ernährung ist Heu. Es sollte immer zur freien Verfügung stehen, da es nicht nur zur Gesunderhaltung von Zähnen und Verdauung , sondern auch als Beschäftigung essentiell ist.

Heu ist das Grundnahrungsmittel für domestizierte Meerschweinchen, aber warum?
Dafür reisen wir einmal 3000 Jahre zurück in die Vergangenheit, denn zu dieser Zeit lebten die Vorfahren unserer heutigen Meerschweinchen noch im weit entfernten Südamerika. Dort sieht es völlig anders aus als bei uns, riesige Grasflächen und steile Gebirgshänge zeichnen die Landschaft. Und dort ernährten sich die wilden Meerschweinchen hauptsächlich von Kräutern und Gräsern, womit wir wieder in der heutigen Zeit landen. Denn die ursprünglichste Nahrung sind Gräser, Kräuter und Heu!
Grundnahrungsmittel Heu
Heu sollte als Grundnahrungsmittel jeder Zeit zur freien Verfügung stehen und täglich erneuert werden, damit die Meerschweinchen selektieren können und nicht gezwungen sind altes Heu zu fressen. Denn es ersetzt die wichtige und natürliche Fütterung von frischen Gräsern und Kräutern. Vor allem im Winter, aber auch für Großstadtmenschen ist es schwierig den Bedarf an frischer Wiese zu decken und da kommt das Heu ins Spiel.
Bei der Heufütterung sollte man vor allem auf die Qualität achten. Wichtig ist der äußerliche Zustand, so sollte gutes Heu immer trocken, frisch und wohlriechend sein. Auch die Farbe spielt eine Rolle, grünes Heu spricht für gute Qualität, wo hingegen gelbliches Heu nicht zur Fütterung geeignet ist. Wie viele Mineralstoffe und Vitamine letztendlich im Heu vorhanden sind hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. So spielen Erntezeit, Wetter, Trocknung, Anbau und die Grassorte eine große Rolle und prägen die Qualität.
Auch sollte das Heu frei von schädlichen Pflanzen wie der Herbstzeitlose oder dem Hahnenfuß sein, denn diese können schnell zu Vergiftungen und im schlimmsten Fall auch zum Tod führen. Deswegen ist es wichtig das Heu gründlich zu überprüfen, bevor es im Meerschweinchenstall landet!
Trotzdem sollte Heu nicht ausschließlich gefüttert werden, da es nicht alle Nährstoffe, wie Proteine und Kohlenhydrate enthält und es dadurch bei reiner Heufütterung zu Mangelerscheinungen kommen kann.

Heu für eine gute Verdauung
Heu ist nicht nur wichtig zur Beschäftigung, sondern trägt auch maßgeblich zur Gesunderhaltung der Verdauung bei. Wie auch schon ihre Vorfahren, haben Meerschweinchen einen dünnwandigen und wenig bemuskelten (Peristaltik) Magen, weshalb die Muskelkontraktionen fehlen und die Nahrung nur durch stopfen transportiert wird. Deswegen nennt man den Magen eines Meerschweinchens auch Stopfmagen. Dadurch müssen Meerschweinchen immer essen, um die Darmtätigkeit in Gang zu halten. Da bietet sich das Heu an, da es sehr kalorienarm ist und somit die Verdauung in Gang hält. Schimmeliges Heu hingegen kann schnell zu Verdauungsproblemen führen.

Heu für den Zahnabrieb
Durch den hohen Anteil an Rohfaser und Kieselsäure, trägt Heu auch zum Zahnabrieb bei und das ist auch sehr wichtig. Denn die Zähne von Meerschweinchen haben offene Wurzeln, was bedeutet, dass sie das ganze Leben lang wachsen. Damit es nicht zu Zahnproblemen, durch zu lange Zähne kommt, müssen diese abgenutzt werden. Und das passiert durch die Rückwärts-Vorwärts Bewegung beim Kauen von Heu, so beträgt der Zahnabrieb pro Woche 2mm.

Lagerung
Das Heu sollte stets dunkel und trocken gelagert werden, dazu eigenen sich am besten Holzkiste, Jutesäcke, Pappkartons und Stoffsäcke ( z.B. Bettbezüge, Kissenbezüge). Plastikboxen sind nicht geeignet, da Heu immer ein gewisses Maß an Feuchtigkeit besitzt und "atmen" muss. Schließt man es Luftdicht ein, kann es zu Schimmelbildung kommen.
Bestandteile von Heu
In einem qualitativ hochwertigem Heu findet man unterschiedliche getrocknete Kräuter und Gräser. Alleine in Mitteleuropa gibt es über 230 verschiedene Süßgrassorten, allerdings findet man auf einer Wiese meistens nur 2-3 dieser Sorten. Hingegen auf sogenannten Magerwiesen gibt es bis zu 12 Arten. Optimalerweise findet man neben Kräutern und Gräsern auch Blüten in hochwertigen Heu.
Süssgräser: Weidegras, Wiesenrispe, Rotschwingel, Knallgas, Lieschgras, kleeartige Futterpflanzen/Leguminosen
Wildkräuter: Löwenzahn, Spitzwegerich, Breitwegerich, Brennnessel,Schafgarbe
Blüten: Kornblume, Ringelblume
Abhängend von der Qualität sind auch die Nährstoffanteile:
22-35% Rohfaser
8-16% Rohprotein
-3% Kalzium
1-2% Phosphor
Heuschnitte
Bei der Heuernte unterscheidet man zwischen dem ersten und dem zweiten Schnitt. Generell wird eine Wiese 5x im Jahr gemäht, allerdings ist der Nährstoffgehalt ab dem 3. Schnitt nicht hoch genug um als Futter zu dienen und wird deshalb als Silage verwendet.
Erster Schnitt:
Der erste Schnitt erfolgt meist ab Juni und hat einen hohen Rohfasergehalt. Es ist oft sehr grob und holzig, das die Gräser so früh hochwachsen und die Kräuter fehlen. Auch findet man im ersten Schnitt Grassamen, die viele Fette und Proteine beinhalten. Ab Mitte Juni ist dann auch der Kalzium- und Phosphorgehalt optimal. Beim Kauf des ersten Schnittes sollte man am besten das feinere Heu wählen Heu wählen, da dies am besten zu fressen ist und besser angenommen wird.
Zweiter Schnitt ( Grummet/Emd):
Beim zweiten Schnitt ist der Grasanteil im Gegensatz zum Kräuteranteil geringer und man findet deutlich mehr Blätter, Kräuter und Blüten. Dadurch ist der zweite Schnitt deutlich Protein- und nährstoffreicher und bei den Meerschweinchen sehr beliebt.

Kommentare